Pressespiegel:

  • 15. November 2011
Kölner Stadt-Anzeiger, Dienstag, 15. November 2011, Seite 30

Kritik am Standort Deutschland

MILTENYI BIOTEC Landesministerin zeichnet Unternehmen als "Ort des Fortschritts" aus.

v.l. Prof. Dr. Heinlein, Helene Hammelrath, Ministerin Svenja Schulze, Gerhard Zorn - Bild: Roland Neumann
VON MALTE EWERT

Bergisch Gladbach. "Ich bin hier, nicht nur um schöne Reden mitzunehmen": Diese Aussage von NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze beim Besuch des Bergisch Gladbacher Vorzeige-Unternehmens Miltenyi Biotec stieß schnell auf ein Echo. Firmengründer Stefan Miltenyi nutzte den Anlass, sich über die Rahmenbedingungen zu beklagen, die sein Unternehmen am Standort Deutschland vorfindet. Die öffentlichen Verwaltungen "ärgern uns sehr", sagte er: "Wir haben jedes Jahr irgendwelche Leute zu Betriebsprüfungen hier sitzen. Dann zeigt sich immer, dass Kleinmut auch sehr groß sein kann. Wir bauen gerade ein neues Gebäude in Boston (USA). Wenn man uns hier zu sehr ärgert, werkeln wir eben da."

Als direkte Umzugsandrohung wolle er diese Kritik nicht gewertet wissen, sagte der Firmenchef. Aber er werde die Ministerin auch nicht nur mit schönen Worten nach Düsseldorf entlassen.

Die Kritik war in dieser Deutlichkeit wohl nicht erwartet worden, weil der Anlass des Besuchs eigentlich ein freudiger war: Miltenyi Biotec ist von der Wissenschaftsministerin als "Ort des Fortschritts" ausgezeichnet worden. Das sind Punkte, an denen sich nachhaltiger Fortschritt "made in NRW" ablesen lässt. Mit dieser Auszeichnung soll deutlich werden, "dass Nordrhein-Westfalen als Ort der Wissenschaft und als Industrieland hervorragende Chancen hat, Fortschritt zu organisieren und zu gestalten", heißt es in der Urkunde.

Miltenyi hat sich einen Namen gemacht in Sachen Bio-Technologie. Auf dem Gebiet der Krebsforschung und insbesondere der Zellforschung gilt man als weltweit führend. Die Bergisch Gladbacher Firma mit ihrem Sitz gegenüber dem Technologie-Park ist für ihre innovativen Lösungsansätze bekannt. Stefan Miltenyi hat aus einem 1989 gegründeten kleinen Unternehmen eine Firma mit Standorten überall auf der Welt gemacht.

Ministerin Schulze nahm die Kritik an den Rahmenbedingungen für den Wissenschaftsstandorts Deutschland auf: "Im Vergleich der Bundesländer steht Nordrhein-Westfalen noch ganz gut da. Gerade die Bio-Technologie wollen wir nach vorne bringen."

SPD-Landratskandidat Gerhard Zorn, der die SPD-Politikerin beim Firmenbesuch begleitete, will sich nun um die Probleme kümmern, die Miltenyi beklagte - so auch bei weiteren Bauvorhaben. Zorn: "Ich habe den Eindruck, dass manche Ämter als Bauverhinderungsbehörden agieren. Die sollen nicht sagen, was nicht geht, sondern beraten, was geht."

Auch Ministerin Schulze bat den Firmenchef, seine konkreten Kritikpunkte bei nächster Gelegenheit ausführlich zu benennen: "Wir wollen ja, dass Sie weiterhin hier investieren." Nach einem Rundgang durch die Firma zeigte sie sich sehr beeindruckt: "Ein höchst interessantes Unternehmen."