Pressespiegel:

  • 25. November 2017
Bergische Landeszeitung, Donnerstag, 23. November 2017, Seite 46

Politik ohne Fensterreden

SPD- Frau Helene Hammelrath tritt allmählich kürzer

Helene Hammelrath (SPD) hat sich 2017 von der ganz großen Bühne verabschiedet. Für den Landtag kandidierte sie wegen einer Krebserkrankung nicht erneut. (Foto: Daub)

Von Matthias Niewels

Eine der profiliertesten Frauen in der Rhein-Berg-SPD nimmt Abschied von der großen politischen Bühne - ohne Tamtam, ohne große Reden. Helene Hammelrath aber hinterlässt eine fühlbare Lücke: Direkte Ansprechpartner hat die Bergisch Gladbacher Sozialdemokratie in Berlin keine. Und auch im Düsseldorfer Landtag gibt es nun keinen Vertreter aus Bergisch Gladbach mehr. Niemanden, der direkt über Koalitionsverhandlungen aus Sicht der SPD berichten kann, Im Mai 2012 errang Helene Hammelrath das Direktmandat für den Wahlkreis Bergisch Gladbach/Rösrath. Für den Landtag kandierte sie in diesem Jahr nach einer Krebsdiagnose nicht mehr. "Und das fiel mir verdammt schwer", bekennt die gebürtige Bensbergerin. 2016 erkrankte sie an Krebs. Sie machte daraus kein Geheimnis - hängte es aber auch nicht an die große Glocke. "Jeder muss da seinen Weg finden", sagt sie. Und sie müsse auf ihrem nun eben kürzertreten.

Ihrer Partei empfiehlt sie eine sehr intensive Standortbestimmung. "Ich finde es richtig, dass wir für eine große Koalition in Berlin nicht zur Verfügung stehen." Die Sozialdemokratie laufe Gefahr, viele ihrer Wurzeln zu kappen. "Heute muss alles jung, peppig und mediengerecht sein. Das ersetzt aber doch keine Inhalte." Auf die Erfahrungen von Älteren, insbesondere von den Gewerkschaftern, dürfe nicht verzichtet werden. "Um ehrlich zu sein, vermisse ich Charakterköpfe."

Ihre Krankheit habe sie weicher gemacht, sagt Hammelrath. In Gladbach war sie als "harter Hund" verschrien. Im Planungsausschuss der Stadt Bergisch Gladbach führte sie für die Sozialdemokraten das Wort. "In der Lokalpolitik hat Ideologisches nichts verloren, da geht es immer um die Sache." Fensterreden seien ihr zuwider. "Konkrete Anliegen, konkrete Fragen, konkrete Antworten - das ist mein Ansatz." So habe sie es auch immer gehalten.

Wenn es irgendwie möglich war, dann hat sie sich direkt vor Ort schlaugemacht. Sie habe Unternehmen genauso besucht wie Kindergärten. In Düsseldorf hat sie sich leidenschaftlich für den Bau der Autobahnanbindung über den alten Bahndamm eingesetzt. Und sie ist sicher: "Die Stadt braucht diese Straße."

Im vergangenen Landtagswahlkampf war die Autobahnanbindung ein untergeordnetes Thema. Für Vera Werdes, die SPD-Kandidatin und ihre potenzielle Nachfolgerin, war diese Straße keine zentrale Forderung. Hammelrath kritisiert das nicht direkt - aber indirekt: "Jetzt, wo der politische Gegner Holger Müller sich nicht für die Straße einsetzt, fehlt meine Stimme in Düsseldorf umso mehr", meint sie. Im Wahlkampf für den Posten des Landrates hat sie Tülay Durdu unterstützt. "Das war eine tolle Kandidatin, für die ich mich gerne eingesetzt habe."

Hammelrath, die gelernte Bankerin, war Mitglied im Untersuchungsausschuss für die WestLB. "Das war ganz viel Theaterdonner." Besser, es hätte ihn nicht gegeben, ist sie überzeugt. Ganz viel Arbeit, wenig Ertrag.

Aber dann hätte es auch nicht das Treffen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder gegeben. Der wurde auch im Untersuchungsausschuss befragt - und konnte nichts dazu beitragen, den verantwortlichen der West LB Fehlverhalten nachzuweisen. Immerhin für ein nettes Foto mit ihm war seine Reise nach Düsseldorf gut. Auf der Suche nach Verantwortlichen wurde der Untersuchungsausschuss dagegen nicht fündig. Jedenfalls in den Augen der SPD. Das ändert nichts daran, dass durch die Geschäfte der WestLB der öffentlichen Hand ein Milliardenschaden entstanden ist.

In Bergisch Gladbach will sich Hammelrath weiter einschalten. Auch in Sachen Flächennutzungsplan. "Ich werde ja auch weiter bei verschiedenen Themen angesprochen. Dann sage ich meine Meinung." Bildungsreisen will sie auf jeden Fall weiter organisieren. In diesem Jahr war sie im Rahmen von "Dialog der Kulturen" in Thüringen. Im Januar lädt sie zum Bildertreff ein. Mit ihren Nichten will sie viel Zeit verbringen. "Das macht mir im Augenblick am meisten Spaß."