Pressespiegel:

  • 10. Mai 2017
Kölnische Rundschau, Montag, 8. Mai 2017, Seite 38

Glühend heißes Friedenssymbol

"Schmieden für den Frieden" in der Kunstschmiede Odenthal

v.l.: Gastgeber Karl-Josef Esser, Odenthaler Kunstschmiede, Klaus-Dieter Heber, ehremamtl. Vors. Kinderhospiz Mitteldeutschland, Schirmherrin der Schmiedeaktion Helene Hammelrath MdL (Foto: G. Rieg)

v.l.: Klaus-Dieter Heber, Alfons Bullermann, Initiator der Aktion "Schmieden für den Frieden", Helene Hammelrath

Auch der Odenthaler Bürgermeister Robert Lennerts 2. v.l. spendete für die Aktion, hier mit Gastgeber Karl-Josef Esser, rechts im Bild

VON DANIELA FOBBE-KLEMM

„Klong, klong, klong . . . “ Im Gleichtakt, fast wie von einem dampfgetriebenen Hammer, erschallen die Schläge in der Kunstschmiede von Karl-Josef Esser. Aber nicht etwa eine Maschine arbeitet mit der Präzision eines Uhrwerks vor der Esse. Drei Schmiede stehen um einen Amboss und lassen ihre schweren Hämmer auf einen fast weiß glühenden Metallnagel niedersausen. Einer der Männer, denen der Schweiß in Strömen über die Gesichter rinnt, ist Alfons Bullermann, Initiator der Aktion „Schmieden für den Frieden“.

Geschmiedete Nägel als Symbol für das Ganze

Immer um den 8. Mai, dem Tag, an dem der Zweite Weltkrieg 1945 endete, treffen sich Schmiede aus ganz Europa bei einem Kollegen und schmieden Nägel, auf denen am Ende die Friedenstaube eingeprägt wird. „Ich möchte die Menschen damit daran erinnern, wie gut es uns doch geht. Der Nagel ist für mich ein verbindendes Symbol, er verbindet einzelne Teile zu einem Ganzen“, erklärt Bullermann seine Idee. Der Zwei-Meter-Mann mit dem Lederkäppi auf dem Kopf stammt aus Friesoythe in Niedersachsen.
Dort machte er sich 2005 zusammen mit 40 Schmieden aus 19 Nationen daran, einen Panzer zu zerlegen und daraus eine Plastik zu schmieden. „Schwerter zu Pflugscharen“, das Bibelzitat, das in den 80er-Jahren auch die Friedensbewegung prägte, stand hinter der Aktion als Idee. Schon damals unterstützte der Schauspieler Heinz Hoenig das Vorhaben.

„Schmieden mit Promis“ seit 2015

Als Bullermann davon am Abend zu Hause erzählte, wollte seine Tochter unbedingt sehen, „wie Heidi Klum einmal mitschmiedet“. Und so wurde die Aktion „Schmieden mit Promis“ geboren, aus der 2015 „Schmieden für den Frieden“ wurde. Jedes Jahr ist ein anderer Schmied Gastgeber.
Heinz Hoenig ist der Idee verbunden geblieben und keineswegs nur Namensgeber. Er unterstützt die Aktion tatkräftig, so auch in Odenthal. Als einer der Prominenten nahm er in Odenthal tatsächlich einen Hammer in die Hand und traf den Nagel auf den Kopf. So wie Olympiasiegerin Ulrike Nasse-Meyfarth, die in Odenthal wohnt. Zwar ist sie aus ihrer Karriere als Hochspringerin eher Edelmetall gewohnt, sie zeigte aber keine Scheu, sich normalem Eisen zu nähern und und schnappte sich einen Hammer.
Gemeinsam mit Gastgeber Karl-Josef Esser und zwei weiteren Schmieden ließ sie den Hammer auf den Nagel niedersausen. Nachdem dieser mit dem Friedenstaubenstempel versehen war, kam er ins Wasserbad zum Abkühlen. Erst danach konnte er gegen eine Spende gekauft werden. „Ob jemand zehn Euro oder 100 Euro gibt, ist nicht entscheidend, sondern dass derjenige die Idee unterstützt“, sagt Esser.

Vater von Heidi Klum hat teilgenommen

Und auch wenn die von Bullermanns Tochter einst gewünschte Heidi Klum nicht kam, ihr in Odenthal lebender Vater Günther Klum schaute vorbei. So wie Markus von Ahlen, Ex-Spieler von Bayer 04 und heute Trainer der U17/U19-Mannschaften, Bürgermeister Robert Lennerts, Sternekoch Christopher Wilbrand und viele Odenthaler Bürger. „Wir hatten bis 17 Uhr Hochbetrieb“, berichtete Klaus-Dieter Heber, ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender des Vereins Kinderhospiz Mitteldeutschland, zu dessen Gunsten die Nägel abgegeben wurden.

5350 Euro für das Kinderhospiz

Jeder, der wollte, konnte einen solchen Friedensnagel mit nach Hause nehmen, und die Odenthaler wollten reichlich. „Das ist das höchste Ergebnis, das wir je bei einer solchen Aktion erzielt haben“, sagte Klaus-Dieter Heber, der 5350 Euro mit nach Nordhausen nehmen konnte. Ein Betrag, den der fast ausschließlich aus Spenden finanzierte Verein für eine Erweiterung gut gebrauchen kann.

Die Idee, das gespendete Geld dem Verein zu geben, der in Nordhausen ambulante und stationäre Hilfe für todkranke Kinder und ihre Familien anbietet, kam von Helene Hammelrath. Die SPD-Landtagsabgeordnete, die bis 2011 Direktorin der Bürgschaftsbank für Sozialwirtschaft in Köln war und in dieser Zeit deutschlandweit viele soziale Projekte mitfinanzierte, kennt aus dieser Zeit Klaus-Dieter Heber.

„Mit Karl-Josef Esser verbindet mich eine lange Freundschaft. Als dieser mich fragte, wohin das Geld gehen soll, habe ich das Kinderhospiz von Herrn Heber vorgeschlagen “, erzählt die 67-Jährige, die als Schirmherrin der Odenthaler Schmiedeaktion fast den ganzen Tag in der Werkstatt verbrachte.