Pressespiegel:

  • 14. November 2011
Bergische Landeszeitung, Montag, 14. November 2011, Seite 33

Eine Extraportion Kraft für den Kandidaten

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sprach im Spiegelsaal des Bergischen Löwen

(v.l. ): Christiane Clemen, Helene Hammelrath, Zandersbetreibsrats-Chef Frank Eschenauer, Hannelore Kraft, Gerhard Zorn. Foto: Privat


Von BERND F. HOFFNANN

BERGISCH GLADBACH. "Ein Zorn für alle Fälle" hätte der Titel der Diashow lauten können, die auf der Großleinwand zu sehen war. Die Fotos zeigten den SPD-Landratskandidaten Gerhard Zorn vorneweg beim Wandern, im Gespräch auf dem Marktplatz oder mit einem Glas Bier beim Fassanstich .

Zwischendurch tauchte dann auf der Leinwand ein Gesicht auf, mit dem sich Zorn die Aufmerksamkeit an diesem Tag freiwillig teilte.

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft war nach Bergisch Gladbach gekommen, um den Parteifreund in der heißen Wahlkampfphase zu unterstützen. Und Kraft ist als Landesmutter in der Bevölkerung durchaus beliebt genug, um mit ihr als politischem Pfund zu wuchern.

Diesen Bonus bewies auch der dicht gedrängte Spiegelsaal des Bergischen Löwen, in dem sich rund 400 Zuhörer einfanden. Dem donnernden Beifall nach zu urteilen, in der Mehrzahl SPD-Anhänger.

Doch vor der Landesmutter sprach zunächst der Kandidat, Zorn erinnerte süffisant daran, warum bereits jetzt schon wieder eine Landratswahl anstehe. Ohne den Namen des einstigen Kontrahenten zu nennen, betonte der damalige und heutige SPD-Anwärter, dass der noch bis Ende des Jahres amtierende Landrat Rolf Menzel vor zwei Jahren für sechs Jahre gewählt wurde "Und dann sagt er plötzlich, ich bin fott", lästerte Zorn, der von einem Vertrauensbruch sprach: "Wer als Landrat kandidiert, der sagt zugleich, das er sechs Jahre aktiv bleibt". Er, so Zorn, bleibe auf jeden Fall sechs Jahre im Amt. Dabei betonte er nochmals sein Motto. "Zorn bleibt und dazu stehe ich", sagte der 46-jährige Overather den jubelnden Genossen.

Dann ging der Jurist auf seine Wahlkampfschwerpunkte wie Ausbildung, Arbeit und Familie ein. "Bildung und Kinder sind Themen bei denen wir nicht sparen dürfen, unabhängig von der Finanzlage", sagte Zorn, der zugleich versicherte: "Kürzungen wird es da in meiner Zeit nicht geben."

Den Rheinisch-Bergischen Unternehmen bescheinigte er eine stabile Situation beim Mittelstand. "Das wollen wir erhalten und fortsetzen, auch um Arbeitsplätze zu erhalten", sagte Zorn. Themen, die bei Hannelore Kraft offene Ohren fanden. "In der Landespolitik sind die Themen ähnlich, da gehen wir Hand ind Hand", betonte Kraft.

Die Ministerpräsidentin unterstrich, das diese Themen im letzten Landtagswahlkampf eine große Rolle gespielt haben - und das bekanntlich erfolgreich für die SPD. "Bildung, Kinder und Arbeit sind eben Themen, die den Bürgern aus der Seele sprechen", sagte Kraft.

Beim Thema Mindestlohn forderte Kraft erneut eine gesetzliche Lohnuntergrenze. "Mit Dumpinglöhne bei Unternehmen muss Schluss sein", bekräftige die Ministerin. Sie sieht auch das Land in der Verpflichtung: "Wir werden im Landtag ein Tariftreuegesetz verabschieden, damit bei der Vergabe von Landesprojekten nicht die Unternehmen bevorzugt werden, die Lohndumping betreiben."

Beim Thema Bildung betonte die Ministerin, dass es sich die Gesellschaft nicht leisten könne, Kinder zurückzulassen. "Eine frühe Förderung ist wichtig. Wir müssen die Zahl der Schulabbrecher halbieren", sagte Kraft und wies daraufhin, dass es in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2020 an Fachkräften mangeln werde.

"Dann bist du noch Landrat", sagte Kraft augenzwinkernd zum Parteifreund. Was auf Zorn, sollte er gewählt werden, noch alles zukommt, zeigte sich am Eingang des Spiegelsaal. Nach den geplatzten Gesprächen mit der Unternehmensleitung warben die M-Real Zanders-Mitarbeiter wieder um Unterschriften. Zorn verurteilte die scheinbare Hinhaltetaktik des Vorstandes: "So kann man mit dem Betriebsrat nicht umgehen. Die Mitarbeiter müssen den Aussagen der Unternehmensvertreter vertrauen können". Auch Kraft appellierte, Versprechen zu halten "Geben Sie den Menschern eine faire Chance", forderte sie M-real auf (siehe Bericht Seite 35).

Mit dieser Extraportion Kraft im Rücken zeigte sich der Kandidat am Ende betont kämpferisch. "Wir wollen spätestens am 4. Dezember aus der Stichwahl als Sieger hervorgehen", verkündete Zorn.