Pressespiegel:
"Das waren tolle fünf Jahre"
Helene Hammelrath (SPD) ist nicht mehr im Landtag
VON MALTE EWERT
Rhein-Berg. Helene Hammelrath hat es nicht geschafft. Wie sich schon am Wahlabend andeutete, kann die Bensberger SPD-Politikerin diesmal nicht über die Reserveliste in den Landtag einziehen. Der Grund: Die SPD war zu erfolgreich. Das ist kein Witz. Anders als vor fünf Jahren holte die Partei diesmal wieder zahlreiche Direktmandate (knapp 60), was zur Folge hat, dass die Reserveliste höchstens bis Platz 10 greift. Hammelrath steht aber auf Platz 34. "Schade", sagte die Bankdirektorin, "das waren tolle fünf Jahre. Doch die Freude, dass Schwarz-Gelb abgewählt worden ist, überwiegt den Verlust des eigenen Mandats."
Kontrahent und Wahlsieger Holger Müller (CDU) schlief am Montag lange aus - und musste feststellen, dass sich das größte Problem der Landespolitik auch über Nacht nicht gelöst hatte: Wie sieht die neue Regierung aus? Müller: "Ich weiß es nicht. Am Dienstag haben wir Fraktionssitzung in Düsseldorf. Von 89 Abgeordneten sind 67 übrig geblieben. Man wird auch zahlenmäßig feststellen, dass bei uns der Blitz eingeschlagen hat."
Müller kann sich nur schwer vorstellen, dass Jürgen Rüttgers Ministerpräsident bleiben wird: "Wir müssen das Votum der Wähler annehmen. Schwarz-Gelb ist abgewählt. Es gibt eine linke Mehrheit." Doch ob diese in einer Koalition zusammenkommt, ist für Müller völlig offen. Die Gründe für die Schlappe sieht Müller nicht in Düsseldorf: "Wir müssen uns jetzt nicht von irgendwelchen Schlaumeiern in der Bundesregierung erklären lassen, was wir alles falsch gemacht haben."
Während Müller im Wahlkreis 21 und sein Parteikollege Rainer Deppe im Wahlkreis 22 relativ sicher ins Ziel kamen, hat die CDU als Partei in Rhein-Berg heftig Federn lassen müssen. Besonders das Abschneiden in Overath fällt ins Auge: minus 14,6 Prozentpunkte. Dort haben die Grünen gleichzeitig um 7,7 Prozent zugelegt. Überhaupt die Grünen: In allen Kommunen konnten sie ihre Wählerstimmen verdoppeln. Die FDP ist überall nur noch vierte Kraft. Die Linke bewegt sich um die Fünf-Prozent-Marke herum. Landtagskandidat Tomas M. Santillan sieht das als Erfolg: "Wir können jetzt nicht mehr unter den Tisch gekehrt werden. Jetzt sitzen wir in den Räten und Kreisen, im Bundestag, im Europaparlament und im Landtag."
Vorwürfe gab es allerdings in anderer Beziehung gegen die Linke. Deren Mitglieder hätten sich am Wahlabend im Kreishaus "alkoholbedingt ziemlich daneben benommen", berichteten Teilnehmer. Santillan weist das in aller Schärfe zurück: "Das ist erstunken und erlogen. Tatsache ist, dass wir am Wahlabend im Kreishaus von Anfang an angegiftet worden sind."