Pressespiegel:
Bergische Landeszeitung/Kölnische Rundschau - Montag, 18. Januar 2010
"Den Kompass neu ausrichten"
Neujahrsempfang des SPD-Unterbezirks Rheinisch-Bergischer Kreis

v.l. Claudia Seydholdt, Gerhard Zorn, Helene Hammelrath, Marc-Jan Eumann, Christiane Clemen, Fritz Roth (Bild: Privat)

v.l.: Marc-Jan Eumann, Fritz Roth, Helene Hammelrath, Willibert Krüger, Jürgen Wilhelm, Gerhard Zorn (Bild: Privat)

BERGISCH GLADBACH. Es war an einem sonnigen Apriltag im Jahre 2005. Da gab sich der damalige SPD- Bundesvorsitzende Franz Müntefering zum Auftakt des Landtagswahlkampfes auf dem Wiener Platz in Köln-Mülheim ein Stelldichein. Müntefering verteilte rote Rosen an die vorbeieilenden Passanten und äußerte siegesgewiss: "Wir gewinnen die Wahl!"
Was von "Müntes" Prophezeiungen zu halten war, zeigte dann das Wahlergebnis. Die SPD, vormals ein NRW-Seriensieger, musste unter der Leitung eines gewissen Peer Steinbrück den Stab an Jürgen Rüttgers von der CDU weiterreichen.
Damals als "Rosenkavalier" an Münteferings Seite: Marc Jan Eumann. Der stellvertretende SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende besuchte jetzt den Neujahrsempfang der SPD Rheinisch-Bergischer Kreis. Was für die SPD hoffentlich kein böses Omen ist, denn Eumann outete sich im Kreishaus als ehemaliger Redenschreiber Münteferings.
Aber Eumann war auch nicht gekommen, um den Wahlausgang zu prognostizieren, sondern um ein Loblied auf Helene Hammelrath zu singen. Die Gladbacher SPD-Landtagsabgeordnete feiert nämlich in diesen Tagen ihren 60. Geburtstag (am 5. Januar 1950 in Bensberg geboren)
Und das Geburtstagskind nutzte die Feierstunde, um die zahlreich erschienenen Parteifreunde auf den kommenden Landtagswahlkampf einzustimmen. "Wir werden diese Regierung ablösen", sagte Hammelrath in bester "Münte-Manier" und legte gleich nach.
"Der derzeitigen Landesregierung fehlen Realismus und Vision", sagte Hammelrath. Die stellvertretende Gladbacher Bürgermeisterin führte als Beleg für ihre Behauptung unter anderem die "hoffnungslos veraltete Schulpolitik" an. "Dabei ist die Bildung doch unsere größte erneuerbare Energie", erklärte die Sozialdemokratin. Der Landesregierung warf sie zudem vor, die Kommunen zu "schröpfen".
Als aktuelles Beispiel nannte sie die Abschaffung der Jagdsteuer. "Ein Geschenk an die Reichen zulasten der Kommunen", kritisierte die Landespolitikerin.
Diesen Ball nahm der SPD-Unterbezirksvorsitzende Gerhard Zorn in seiner Rede dankbar auf und warf der Landesregierung ebenfalls vor, den Kommunen die finanzielle Grundlage zu entziehen. "Früher stand den Kommunen das Wasser bis zum Hals, jetzt sind sie schier am Ertrinken", erklärte Zorn.
Der SPD-Chef forderte seine Parteifreunde auf, den "Kompass neu auszurichten". Die Nadel soll jetzt wieder mehr in Richtung "soziale Gerechtigkeit" ausschlagen, was Zorn auch auf "gerechte Arbeitslöhne" münzte.
Hoffnung für einen Politikwechsel in NRW gibt ihm der seiner Ansicht nach fragile Zustand der schwarz-gelben Zweckgemeinschaft: "So wie diese Koalition gestartet ist, könnte auch ihr Ende aussehen", erklärte Zorn.
Da wird es zusätzlich Balsam für die Anwesenenden gewesen sein, dass Kabarettist Wilfried Schmickler bei seinem Auftritt in die gleiche Kerbe schlug und das Duo aus CDU und FDP zum "schwarzen-gelben Alptraum" deklarierte. Den Sozialdemokraten empfahl der Mann von den "Mitternachtsspitzen" für den Wahlkampf Gelassenheit: "Wir werden das ganz ruhig angehen".


