Pressemitteilung:

  • 05. Dezember 2006

Helene Hammelrath will für Paffrath neues Supermarkt-Modell

Das Modell heißt "Cap-Markt"
Bergisch Gladbach /Paffrath (...) Im Bergisch Gladbacher Stadtteil Paffrath klafft eine Markt-Lücke. Im Juni schloss der Stüsssgen-Supermarkt. Auch der Dm-Markt wurde aufgegeben. Seither sind vielen Paffrathern die kurzen Wege zu den Waren des täglichen Bedarfs abgeschnitten. Unerquicklich für alle mit engem Zeitbudget, unerträglich für alle, die nicht mobil genug sind, um für jeden Einkauf größere Strecken zurückzulegen. Und leider symptomatisch für den bundesweit grassierenden Abbau der Nahversorgung.

Vor dreißig Jahren starben die "Tante-Emma-Läden". Heute ist der klassische Supermarkt, Versorger und Arbeitgeber in den Innenstädten, immer mehr dem Preisdruck der Discounter und Großanbieter auf der grünen Wiese ausgesetzt. Während die Konkurrenz von Innenstadtläden untereinander oft das Geschäft belebt, weil viele Läden viele Kunden anziehen, droht der Großmarkt am Stadtrand den Innenstadthandel zu ersticken - mit den entsprechenden Folgen für die Konsumenten. Die Verbraucherzentralen warnen: 8 Millionen Deutschen stehen schon jetzt keine Nahversorgungsangebote mehr zu Verfügung, und es werden immer mehr. Gleichzeitig wächst mit der steigenden Zahl nicht mehr mobiler älterer Menschen die Gruppe derjenigen, die dringend auf eine funktionierende Nahversorgung angewiesen sind. In Nordrhein-Westfalen wird sich das Problem künftig besonders zuspitzen, weil kleinere und mittlere Warenanbieter dem von der Landesgesetzgebung ausgehenden Druck, das Geschäft rund um die Uhr geöffnet zu lassen, nicht standhalten können.

Leben Verbraucherinnen und Verbraucher ohne Auto, ältere Menschen und alle, die ohne viel Aufhebens ihre Einkäufe erledigen möchten, demnächst mitten in der 100.000-Einwohner-Stadt Bergisch Gladbach wie in einer Mondlandschaft? Sind Butter und Zahnpasta mittelfristig nur noch per Taxi zu erreichen? Glücklicherweise besteht noch ein Supermarkt an der Kempener Straße. Jedoch macht sich das Fehlen des gewohnten kleinen Marktes im unmittelbaren Zentrum von Paffrath schmerzlich bemerkbar.

"Der Schwund der Nahversorgung bedeutet einen eklatanten Verlust an Lebensqualität", kommentiert Helene Hammelrath, SPD-Landtagsabgeordnete und stellvertretende Bürgermeisterin von Bergisch Gladbach. "Aber wir können diesen Trend stoppen: mit einem intelligenten neuen Marktmodell, das das Warenangebot am Wohnort sichert und dabei auch Arbeitsplätze schafft".

Das Modell, das am Standort Paffrath erstmals im Rheinisch-Bergischen Kreis realisiert werden könnte, heißt "Cap-Markt". "Cap" kommt von "Handicap". Damit ist der Name Programm. Denn der Cap-Markt, ein Supermarkt mit dem kompletten Sortiment fürs tägliche Leben, beschäftigt häufig Menschen mit Behinderungen. Zur Belegschaft zählen oft aber auch andere auf dem Arbeitsmarkt schwer Vermittelbare wie ältere Langzeitarbeitslose. Der Cap-Markt bietet qualifizierte Arbeitsplätze und erwartet dafür Engagement. Mit Erfolg, wie Beispiele aus mehreren Bundesländern zeigen: In Stadtvierteln und Ortsteilen, wo die Versorgung bereits brach lag, bedienen jetzt motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser als Integrationsbetriebe geführten Märkte zufriedene Kunden. "Zentren für kommunikativen Einkauf" nennt Hammelrath die ihr bekannten Cap-Märkte, und einen solchen Kommunikator wünscht sie sich auch in Paffrath.

Klaus-Peter Freese, SPD-Stadtverordneter und mit der Situation in diesem Teil von Bergisch Gladbach bestens vertraut, stimmt zu: "Die Aussicht auf einen Cap-Markt wäre für die Paffrather das schönste Weihnachtsgeschenk".

Als Träger für Cap-Märkte kommen Wohlfahrtsverbände in Frage, aber auch neu zu gründende gemeinnützige Gesellschaften oder Genossenschaften. So können zum Beispiel die Bewohner eines Stadtteils eine Genossenschaft bilden, die einen Cap-Markt betreibt. Die Gründung von Cap-Märkten wird dadurch erleichtert, dass ein Franchise-System den kompletten Prototyp mitsamt der geschäftlichen Kalkulation und den vertraglichen Grundlagen zur Verfügung stellt. Die Anschubfinanzierung für einen neuen Markt, der Behinderte einstellt, kann das Land aus den Mitteln der Ausgleichabgabe bestreiten, die Unternehmen ohne behinderte Mitarbeiter zahlen. Beschäftigt der Cap-Markt ältere Arbeitnehmer, so können Gelder der Bundesagentur für Arbeit aus dem Programm "Job 50 plus" genutzt werden.

Cap-Märkte, betont Helene Hammelrath, sind mehr als Warenanbieter und Arbeitgeber. Sie können einen Hol- und Bringservice anbieten, ein Stehcafé einrichten oder eine Paketannahmestelle eröffnen. Sie können kleine Bankfilialen übernehmen, die von der Schließung bedroht sind. Paffrath mit Cap-Markt, ist die Politikerin überzeugt, würde sozial profitieren. In jeder Hinsicht.