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  • 14. August 2007

"Dialog der Kulturen"

Helene Hammelrath besuchte mit Bürgerinnen und Bürgern die Synagoge in Köln

Bergisch Gladbacher Besucher in der Kölner Synagoge
Bergisch Gladbach / Köln (...) Zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis besuchte Helene Hammelrath, die für Bergisch Gladbach und Rösrath zuständige SPD-Landtagsabgeordnete, die älteste jüdische Gemeinde und ihre Synagoge nördlich der Alpen. Vertreten waren insbesondere Betriebsräte von Firmen und Vereine aus dem Kreisgebiet sowie die SPD.

Von außen wirkt die Synagoge in der Roonstraße ehrwürdig alt. Innen hat der nüchterne Stil sakraler Bauten aus der Nachkriegszeit die dekorative Pracht des 19. Jahrhunderts ersetzt. Die Architektur spiegelt den Bruch in der Geschichte. In der Reichpogromnacht am 9. November 1938 wurde die alte Synagoge in der Roonstraße gleichzeitig mit den anderen jüdischen Gotteshäusern in Brand gesteckt. Die Brandruinen blieben in der Scheinnormalität der nationalsozialistischen Stadt stehen.

Knapp vier Jahre später begann die systematische Vernichtung der europäischen Juden. 11.000 jüdische Kölnerinnen und Kölner wurden ermordet. Ein eigener Gedenkraum in der nach dem Krieg wieder errichteten heutigen Synagoge erinnert an sie. Die Besucherinnen und Besucher blieben dort einige Minuten stehen. Dann gingen sie weiter in den großen Saal, in dem die Thora-Rolle aufbewahrt wird und die Gottesdienste stattfinden.

Dort schilderte zunächst Helene Hammelrath anhand des neuen Buches der Historikerin Nicola Wenge das Verhältnis zwischen Juden und Nichtjuden in Köln vom Ersten Weltkrieg bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Die Weichen für den Holocaust, so ihr Schluss, wurden nicht automatisch gestellt. Endgültig durchsetzen konnte sich der Antisemitismus in Köln erst ab der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre, als die Demokratie auf dem Rückzug war.

Zwischen Orthodoxie und Moderne

Abraham Lehrer aus dem Vorstand der Synagogengemeinde setzte seine Akzente dann in der Gegenwart und beschrieb die Gratwanderung der Gemeinde zwischen religiöser Tradition und modernem Leben. Die Kölner Synagogengemeinde ist orthodox und damit den religiösen Bräuchen und der Lebensweise des historischen Judentums verpflichtet. Aber die Gemeindemitglieder leben auch in einer Großstadt des 21. Jahrhunderts, und das wirkt sich aus. So essen gläubige Familien zwar nach wie vor koscher. Aber längst benutzen nicht mehr alle getrenntes Geschirr für Fleisch- und Milchspeisen. Gleichzeitig mit dem Alltag verändern sich auch manche Grundsätze des Zusammenlebens: Frauen, traditionell nicht mit den heiligen Schriften befasst und stattdessen für Haushalt und Kindererziehung zuständig, wünschen sich mehr religiöse Bildung und aktive Beteiligung am Gottesdienst. Und die neuen jüdischen Kölner, die aus den GUS-Ländern immigrieren, kennen das orthodoxe Judentum mit seinen Regeln oft gar nicht.

Fazit Toleranz

Eine Ausstellung im Erdgeschoss der Synagoge führt durch die Geschichte der Juden in Köln. Abraham Lehrer und Benzion Wieber, der Geschäftsführer der Gemeinde, zeigten den Besuchern kunstvolle Kultgegenstände. Eine Thora-Rolle wurde von einem katholischen Geistlichen vor dem Zugriff der Nationalsozialisten gerettet.

Für Abraham Lehrer heißt die Konsequenz aus der hier reich dokumentierten Geschichte Toleranz. Helene Hammelraths Frage nach der Haltung der Synagogengemeinde zum Kölner Moscheenstreit konnte der Gemeindevorstand entsprechend eindeutig beantworten: "Die Muslime haben ein Recht auf ein Gotteshaus".

Gotteshaus unter Polizeischutz

Antisemitismus baut im städtischen Raum Hürden auf. Gern würde die Gemeinde den Zugang zur Synagoge erleichtern. Aber angesichts der internationalen Lage und der wachsenden Zahl antisemitischer Straftaten in Nordrhein-Westfalen ist daran derzeit kein Denken. So stehen bei den´Festtagsgottesdiensten immer noch Polizisten nicht nur vor, sondern auch in der Synagoge. Und nicht nur ein Schauplatz geistiger Kultur bleibt schwer zugänglich, sondern mit dem koscheren Speiselokal der Synagoge auch ein Spitzenrestaurant, das die Feinschmeckerszene am Rathenauplatz erheblich bereichern könnte. Nach den Verträgen von Oslo zwischen Israel und den Palästinensern hofften Optimisten, die strengen Sicherheitsvorkehrungen würden bald überflüssig. Sie haben sich getäuscht. Aber vom Optimismus lebt die jüdische Gemeinde.