Pressespiegel:
Kölner Stadt-Anzeiger - Montag, 30. November 2009
Jürgen Wilhelm mahnt beim Abschied
SPD-PARTEITAG Gerhard Zorn wird Parteichef - Sozialdemokraten stimmen sich auf den Landtagswahlkampf ein
VON MATTHIAS NIEWELSRhein-Berg. 32 Jahre führte Jürgen Wilhelm die SPD im Rheinisch-Bergischen Kreis. Das ist laut SPD-Landesvorsitzender Hannelore Kraft ein Rekord in Nordrhein-Westfalen. Kraft hielt beim Parteitag der SPD Rhein-Berg in der Aula des Overather Schulzentrums Cyriax eine Wahlkampfrede - und anschließend eine Art Laudatio für den scheidenden Wilhelm. "Er war jemand, der immer gerade war", sagte sie mehrmals. So, als ob das in der Politik etwas Besonderes sei. Sie listete all' die Positionen auf, in denen Wilhelm aktiv war und in denen er noch aktiv ist. Eine lange, beeindruckende Liste. Für seine Arbeit bedankte sich nicht nur Hannelore Kraft: "Das Land dankt Dir."
Wilhelm selbst nutzte den "Bericht des Vorsitzenden", um seiner Partei die Leviten zu lesen. Immer mit einem Augenzwinkern, aber in der Sache doch schonungslos. "Die Wähler wissen nicht mehr, aus welchem Grund sie die SPD wählen sollen." Wilhelm sieht den Kardinalfehler darin, dass die "soziale Ausgewogenheit von Politik" nicht mehr mit der SPD verbunden wird. Der Parteivorstand habe auf die Warnungen der Basis nicht gehört. "Das hat die Partei an den Abgrund gebracht und es ist gut, dass diese schrecklich autoritäre Zeit nunmehr beendet ist." Mit solchen Sätzen kam er bei den Delegierten des Parteitages gut an. Aber noch mehr Applaus gab es für Sätze, die Mut machen sollten: "Wir schaffen die Wende in Düsseldorf" oder "Die Partei hat schon schwierigere Zeiten überlebt". Es war der Blick in die Zukunft, der wie eine Salbe auf die Wunden einer gebeutelten Partei wirkte. Für Wilhelms Analysen der Vergangenheit gab es Kopfnicken, für seine Kampfansagen donnernden Applaus. Helene Hammelrath - die SPD-Landtagskandidatin für den Bezirk Bergisch Gladbach/Rösrath - sicherte Wilhelm die Unterstützung der gesamten Partei zu. Am Ende seiner Rede erhoben sich die Delegierten von ihren Sitzen und applaudierten. Beifall für einen Mann, der wie kein zweiter im Rheinisch-Bergischen Kreis die Sozialdemokratie in den vergangenen Jahren geprägt hat. Von einem Ende der politischen Aktivität wollte Wilhelm nichts wissen. Aber 32 Jahre Parteichef der SPD Rhein-Berg seien einfach genug. Der Übergang zu seinem Nachfolger, Roland Zorn, klappte problemlos. Zorn wurde mit großer Mehrheit gewählt. Wilhelm hatte ihn über den Klee gelobt: "Er ist der beste Politiker im Kreistag. Stets exzellent vorbereitet, glänzend informiert, taktisch klug vorgehend und die Fraktion souverän und mit Augenmaß führend."