Meldung:
Veranstaltung des "Europäischen Tokat Förder- und Solidaritätsverein e.V." in Duisburg
Ich möchte die Menschen mit Migrationshintergrund einladen, die Gesellschaft mit uns gemeinsam zu gestalten
Bergisch Gladbach / Duisburg (…) Aus Anlass des Besuchs einer 17-köpfigen Delegation aus der türkischen Provinz Tokat, lud der "Europäischer Tokat Förder- und Solidaritätsverein e.V." zu einer Großveranstaltung mit etwa 1.200 überwiegend türkischen Teilnehmern nach Duisburg. Unter den Gästen: Helene Hammelrath, SPD-Landtagsabgeordnete und Initiatorin des "Dialogs der Kulturen" im Rheinisch-Bergischen Kreis, wo sich viele Menschen aus der Region Tokat angesiedelt haben.
Der Verein, ein Netzwerk von in Deutschland lebenden Unternehmern, Akademikern, Arbeitern und Tatkräftigen aus Tokat, fördert soziale, gemeinnützige und integrative Ziele, aber auch Projektarbeiten zur regionalen Erschließung und wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Tokat.
Nach den Grußworten Helene Hammelraths und der Begrüßung durch weitere hochrangige Gäste, wie dem Gouverneur der Provinz Tokat, dem Oberbürgermeister der Stadt Tokat, den Präsidenten der türkischen Wirtschaftskammern sowie türkische Abgeordnete unterschiedlicher Parteien begann der gesellige Teil der Veranstaltung mit Musik, Tanz und orientalischen Köstlichkeiten.
Rede Helene Hammelraths auf der Veranstaltung des Vereins "Europäischer Tokat Förder- und Solidaritätsverein e.V." in Duisburg
Sehr geehrte Abgeordnete aus Tokat,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste,
ich freue mich außerordentlich, an dieser heutigen Veranstaltung teilnehmen zu dürfen und möchte die Abgeordnetendelegation aus Tokat noch einmal auf das herzlichste begrüßen!
Mir, als Abgeordnete der SPD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen und Initiatorin des Dialogs der Kulturen, ist es eine ganz besondere Freude, Kolleginnen und Kollegen aus der Türkei zu treffen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und Erfahrungen auszutauschen.
Diese Gelegenheit hatten wir am Donnerstag bei Ihrem Besuch im Düsseldorfer Landtag. Aber auch in der Vergangenheit habe ich immer wieder den Kontakt und den Meinungsaustausch mit ausländischen Gästen auf interkulturellen Veranstaltungen gesucht.
Die Beziehungen der Türkei zu Deutschland und insbesondere zu Nordrhein-Westfalen sind von ganz besonderer Qualität. Sei es wirtschaftlicher Art oder gesellschaftspolitischer Art.
Lassen Sie mich etwas über die wirtschaftspolitischen Beziehungen sagen.
Sie, liebe türkischen Gäste, hatten ja auch am Mittwoch eine, wie ich hörte, sehr interessante und informative Betriebsbesichtigung bei der Firma Lenninghausen GmbH, einem Sägewerk in einem von mir mitbetreuten Wahlkreis. Über Ali Yurdakul haben Sie auch einiges über die Betriebsratsarbeit bei m-real Zanders erfahren.
Rund 280 Unternehmen mit direkter Kapitalbeteiligung aus der Türkei sind in Nordrhein-Westfalen zuhause. Zusammen mit den hier ansässigen rund 24.000 türkischstämmigen Unternehmern sind die türkischen Selbständigen bereits mit einem hohen Anteil an der Wirtschaftsleistung Nordrhein-Westfalens und seiner Regionen beteiligt. Bei türkischen Investitionen ist Nordrhein-Westfalen bereits heute die erste Adresse in Deutschland. Bei einem stetig steigenden Export- und Importvolumen Deutschlands in die und aus der Türkei hat Nordrhein-Westfalen einen Anteil von 25 Prozent. Das ist ein Viertel, meine sehr verehrten Damen und Herren. Auch, weil hier bundesweit die meisten türkischen Mitbürger leben – fast eine halbe Million.
Zudem ist Nordrhein-Westfalen selbst direkt in der Türkei aktiv. Als erstes Bundesland überhaupt hat es seine Türkeirepräsentanz NRW.Invest Turkey in Istanbul eröffnet. Nordrheinwestfälische Unternehmen investierten 2007 durchschnittlich eine Milliarde Euro in der Türkei, umgekehrt lagen die Investitionen türkischer Unternehmen in NRW jedoch gerade bei 30 Millionen Euro. Hier verbirgt sich ein Potenzial, das es in der Zukunft auszubauen gilt.
Doch lassen Sie uns auch das Thema Bildung und politische und gesellschaftliche Teilhabe ansprechen – gerade vor dem Hintergrund, dass heute die rechte, sogenannte "Bürgerbewegung", Pro-NRW Vertreterinnen und Vertreter der bedeutendsten europäischen Rechtsparteien zu einer Kundgebung in Köln "gegen Islamisierung und Überfremdung" aufgerufen hat. Diese rechte Gruppierung wird übrigens auch zu den Kommunalwahlen im Herbst kandidieren.
Zu einer gelungenen Integration der hier lebenden Türkinnen und Türken beziehungsweise türkischstämmigen Menschen gehört zuallererst die sozialpolitische Unterstützung des Einzelnen, das Erlernen der deutschen Sprache, sowie eine erfolgreiche Schul- und Berufsausbildung. Denn nur dann haben sie eine Chance am Arbeitsmarkt auf ein selbstbestimmtes Leben und sind besser vor Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg geschützt.
Eine umfassende Integration verlangt aber auch die Einbeziehung der hier lebenden Menschen in sämtliche Beratungs- und Entscheidungsprozesse des Gemeinwesens.
Bislang sind ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger in den Gremien der Stadtpolitik jedoch unterrepräsentiert, was ihre Aktionsfähigkeit und Durchsetzungsfähigkeit schwächt. Ihre sozialen und kulturellen Anliegen einzubringen und umzusetzen wird dadurch erschwert.
Es ist deshalb erforderlich, dass sie stärker als bisher an Mitwirkungsmöglichkeiten beteiligt werden.
Es gibt viele Wege sich zu engagieren, auch außerhalb der politischen Institutionen: Um auf meinen lieben Freund Ali Yurdakul zurückzukommen, im Betriebsrat. Oder im Elternrat in Kindertageseinrichtungen und in der Elternvertretung in Schulen. Hier sind ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger wichtige Vermittler und Unterstützer für eine gelingende Förderung und Unterstützung von Kindern mit Migrationshintergrund.
Was allerdings das politische Engagement angeht, so ist das Wahlrecht noch immer das wirksamste Instrument und Mittel um selbst aktiv das Gemeinwesen gestalten zu können.
An alle, die schon über einen deutschen Pass verfügen, richte ich den eindringlichen Appell von Ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen!
In diesem Jahr stehen drei wichtige Wahlen in Nordrhein-Westfalen bevor.
Der erste Termin ist die Europawahl am 07. Juni: Eine sozialdemokratische Mehrheit im Europäischen Parlament, mit unserem Spitzenkandidaten Martin Schulz als Kommissar, garantiert ein soziales Europa und eine gemeinsame Zukunft mit Ihnen, sehr geehrte Gäste. Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten stehen für eine Aufnahme der Türkei in die EU. Im Gegensatz zur CDU.
Der zweite Termin sind die Kommunalwahlen im August – dazu habe ich mich ja schon ausführlich geäußert.
Der dritte und letzte Termin in diesem Jahr sind die Bundestagswahlen im September: Unter einem Bundeskanzler Steinmeier, mit breiter sozialdemokratischer Mehrheit im Rücken, wird Deutschland sozialer und gerechter und die Türkei Mitglied in der EU!
Folgen Sie also meiner Bitte und gehen Sie zur Wahl!
Auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit!
Herzlichen Dank!



